Extremsommer 2018

Schwere Dürre und Hitzewellen

1. Zunehmende globale Erwärmung

Die Hitzewelle und die langanhaltende Dürre der Sommermonate in 2018 fand vor dem Hintergrund einer zunehmenden globalen Erwärmung statt. Die Jahre von 2014 bis 2017 sind die bisher vier heißesten der weltweit belegten Wetteraufzeichnungen [1]. Zehn der 15 wärmsten Jahre Deutschlands liegen in diesem Jahrhundert [2]. 2018 scheint sich dieser Trend fortzusetzen. Der Deutsche Wetterdienst meldete bereits am 3. August, dass die dauerhaft hohen Temperaturen und insbesondere auch die seit April andauernde Trockenheit als extrem zu bezeichnen seien. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung in 1881 sei es in der Zeitspanne von April bis Ende Juli in Deutschland noch nie so warm gewesen. Diese jahreszeitliche Phase war im Durchschnitt 3,6 Grad wärmer als der langjährige Vergleich mit der Referenzperiode von 1961 -1990 [3].

2. Extreme Trockenheit

Auch die Trockenheit, die von April bis fast Mitte August andauerte, lag auf Rekordniveau. Einige Gebiete im Osten waren so trocken wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor fünf Jahrzehnten. Besonders in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und einigen Gebieten im Osten Bayerns ist der Untergrund bis auf zwei Meter Tiefe völlig ausgetrocknet. Auch der Norden Deutschlands und die Mittelgebirgsregion sind nach den Informationen des Dürremonitors des Helmholzzentrums für Umweltforschung von starker Trockenheit betroffen [4]. Die lange Dürreperiode in vielen Teilen Deutschlands führte vielerorts zu staubtrockenen Feldern. Der Bauernverband klagte über extreme Ernteverluste. So beim Weizen um 20%, beim Raps um 21% oder beim Roggen sogar um 28% [5]. Die Kuhweiden waren völ ig vertrocknet. Futter musste stattdessen von den Landwirten zugekauft werden. Viele Kälber mussten notgeschlachtet werden.

3. Sterbende Bäume

Auch die Förster schlugen Alarm. Die Waldböden sind vielerorts so trocken, dass bei kurzen einfachen Regenfällen die Nässe nicht mehr eindringen kann. Sie haben einen Befeuchtungswiderstand entwickelt. Für die deutschen Waldregionen, die ein Drittel des Landes ausmachen, ist dies kritisch. Die Bäume sind so augetrocknet, dass sie teilweise bereits Anfang August ihre Blätter oder Nadeln abgeworfen haben. Besonders betroffen sind junge Bäume. Jedes Jahr werden etwa 500 Mil ionen von ihnen neu gepflanzt. Aber viele von ihnen werden den Sommer 2018 nicht überleben. Denn ihre Wurzeln reichen noch nicht bis zum Grundwasser. In der Folge drohen die Bäume, die in den letzten 3 bis 4 Jahren gepflanzt worden sind, zu vertrocknen. Von den Waldverbänden wurden daraus resultierende Schäden in Höhe von 2 bis 3 Mrd. Euro genannt [6]. Viele Förster sind angesichts der Situation ratlos. Ein Sprecher des nordrhein- westfälischen Wald- und Holz-Verbandes erklärte: „Wir erleben einen Vorgeschmack auf den Klimawandel. Es gibt aber keine Erfahrungswerte, weil es diese Situation so noch nie gab.“ [7] Tatsächlich gibt es mittlerweile aber zahlreiche internationale Studien, die den Einfluß von Erderwärmung und Trockenheit auf Bäume untersucht haben [21, 22, 23, 29, 30]. Umfangreiche Untersuchungen sind z.B. an der Yale University in den USA durchgeführt worden. Craig Brodersen, ein Professor für Pflanzenphysiologie und Ökologie und ein Experte für Trockenheit und Baumschädigungen, erläuterte auf der Yale- Homepage im Juni 2018 die Zusammenhänge [24]: „Trockenheit ist sicher etwas, was Pflanzen und Bäume auch in früheren Zeiten schon betraf. Wenn aber zusätzlich noch hohe Temperaturen dazu kommen, dann wird der Effekt der Trockenheit verstärkt. Dann beginnt das vaskuläre Transportsystem der Bäume zusammenzubrechen. Sie sind an derartige Umweltbedingungen nicht angepaßt.“ Was dann extreme Konsequenzen haben kann: „Wir fanden heraus, dass ein von Trockenheit gestresster Baum als erstes seine Poren schließt, um seinen Wasserhaushalt zu sichern. Aber das erzeugt ein Dilemma. Denn wenn der Baum seine Poren schließt, kann er auch kein CO2 zur Photosynthese mehr aus der Luft aufnehmen. Er kann dann nur noch auf seine internen Speicher zurückgreifen, um durch die Trockenheit zu kommen. Sein Überleben hängt letztendlich davon ab, wieviel Kohlehydrate und Wasser er gespeichert hat. Unsere Forschungen ergaben, dass eine definierte Schwelle existiert, ab der ein Baum sich nicht mehr erholen kann. Wenn Bäume über diesen Kipppunkt geraten und nicht mehr über genug Reserven in den Wurzeln verfügen, dann reagieren sie auch empfindlich auf Schädlingsbefall, denn ihr Abwehrsystem ist stark geschädigt.“ In der weiteren Darstellung verwies er darauf, dass im letzten Jahrzehnt durch Hitze und Trockenheit allein in der Region von Texas bis Kalifornien 400 Mil ionen Bäume abgestorben sind: „Dabei wurde beobachtet, dass auch eine bedeutende Zahl von wirklich großen, alten Bäumen starb. Wir glauben, dass dies auf das Versagen ihres hydraulischen Systems zurückzuführen ist und damit die Unfähigkeit, noch Wasser in die Baumkronen zu transportieren. Das ist besorgniserregend, denn gerade die alten, großen Waldbäume sind diejenigen, die den meisten Kohlenstoff speichern. Sobald sie absterben, wird eine Menge Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt; schneller als es sonst der Fall gewesen wäre.“

4. Aufheizung und Austrocknung von Flüssen und Seen

Eine andere Folge der langanhaltenden Trockenheit und der extremen Hitzewelle waren die Auswirkungen auf die Flüsse. Anfang August war der Wasserpegel vieler Flüsse stark gesunken. In der Folge war auf der Elbe und der Oder keine durchgehende Schiffahrt mehr möglich. Auf der Donau und dem Rhein konnten nur noch Schiffe mit geringerem Tiefgang verkehren. Noch dramatischer war der Wasserstand in vielen kleineren Flüssen. Die schwarze Elster in Süden Brandenburgs war stellenweise ausgetrocknet. Ein Sprecher der Stadt Senftenberg äußerte gegenüber der Berliner Morgenpost: „Es gibt Stellen, da ist nichts mehr.“ [8] Ähnliche Situationen konnten bei anderen Flüssen beobachtet werden. So bei der Dreisam bei Freiburg oder bei zahlreichen Harzflüssen. [9].
Der sinkende Wasserstand und die große Hitze führten dazu, dass sich viele Gewässer aufwärmten. So der Rhein, der sich Anfang August schon in vielen Bereichen auf 28 Grad aufgeheizt hatte [10]. Der Bodensee erreichte 26 Grad genauso wie die Elbe in Hamburg oder die Havel in Berlin. Die Süddeutsche Zeitung zitierte den Münchener Hochschulprofessor Herwig Stibor [10]: „Für die Lebewesen im Wasser kann das sehr kritisch werden.“ Je höher die Temperatur steige, desto mehr sinke der Sauerstoffgehalt im Wasser ab. „Ist das Gewässer tief genug, gibt es unten noch eine Schicht kälteren Wassers, in der mehr Sauerstoff aufgelöst ist und in die sich die Fische zurückziehen können“, so Stibor. „Sind dort aber alle Reserven aufgebraucht, sterben die Tiere.“ Tatsächlich wurden vielerorts tote Fische aus den Gewässern geholt: So in Hamburg 5 Tonnen Fischkadaver, im Schweizer Rheinabschnitt eine Tonne und ein Stausee bei El wangen meldete sogar 20 Tonnen tote Fische. In dieser Situation leiteten zahlreiche Kraftwerke am Rhein und seinen Zuflüssen immer noch überheiztes Kühlwasser in die Gewässer und verschlimmerten die Lage damit. Eigentlich dürfen die Betriebe des Rheins bei 28 Grad Wassertemperatur nur noch mit Ausnahmegenehmigungen Warmwasser in den Fluß einleiten. Doch ausgerechnet das von einem Grünen geführte baden-würtembergische Umweltministerium verteilte diese Genehmigungen besonders fleißig. So an die Atomkraftwerke Philippsburg und Neckarwestheim oder an die Kohlekraftwerke in Heilbronn und Stuttgart-Münster. Und auch an das Großkraftwerk Mannheim. Einem Kohlekraftwerk mit hohen CO2-Emissionen, das zusätzlich noch große Mengen des Nervengifts Quecksilber (154 Kilogramm in 2013) oder große Mengen Feinstaub (142.000 Tonnen in 2013) auf die in der Umgebung wohnende Bevölkerung niederrieseln läßt [11]. Die Begründung des grünen Umweltministeriums: Das Kohlekraftwerk sei „systemrelevant“. Was offensichtlich nicht für die Fische im Rhein gilt.

5. Hitze in Asphalt und Beton gespeichert

Das Extremwetter hatte auch erhebliche Auswirkungen auf das gesundheitliche Wohlbefinden. Insbesondere in den Städten, in denen drei Viertel der deutschen Bevölkerung leben, werden auf Grund der Erderwärmung die heißen Tage über 30 Grad laut Klimasimulationen in Zukunft deutlich zunehmen. Hier gibt es zusätzlich einen bedrohlichen Hitzeinseleffekt. Tagsüber heizen sich die Oberflächen von Häusern, Plätzen und Straßen auf. Die Wärme wird in Asphalt und Beton gespeichert und des Nachts wieder frei gesetzt. So lag die Temperatur am 3. August in Frankfurt bei über 36 Grad und ging in der Nacht nicht unter 23 Grad zurück. In vielen Stadtwohnungen war ein gesunder Schlaf kaum noch möglich. Wer körperlich arbeiten musste, war durch die Hitze ebenfalls extrem belastet. Das hat auch gesundheitliche Folgen. Betroffen waren aber auch Ältere und chronisch Kranke. Ältere Menschen nehmen oft die Warnsignale des Körpers in der Hitze nicht oder zu spät wahr. Als Bezug für die möglichen gesundheitlichen Folgen von Hitzewel en, dient oft der Sommer 2003. Die langanhaltende Hitze forderte damals nach EU-Angaben rund 70.000 Tote. Veronika Huber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) wies darauf hin, dass ein Großteil der Todesfälle „auf bestehende Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen zurückzuführen sind“, die durch das Wetter „ihr akutes Stadium erreichen.“ [25]

6. Nördliche Hemisphäre: Zeitgleiche Hitzewellen

Die Hitzewelle und die extreme Trockenheit endete im Sommer 2018 aber nicht an den deutschen Landesgrenzen. Fast ganz Europa war betroffen. In Schweden und Griechenland kam es auf Grund der ungewöhnlichen Hitze zu großen Waldbränden. Anfang August kletterten in Spanien und Portugal die Temperaturen mit über 45 Grad auf extreme Werte. In Portugal wurde der höchste Wert mit 46,4 Grad in Alvega, in 120 Kilometer Entfernung von Lissabon gemessen. In der Folge kam es insbesondere in Portugal zu großen Waldbränden. Im Hinterland der Algarve kämpften über 700 Feuerwehrleite rund um den kleinen Ort Monchique über eine Woche gegen ein Großfeuer an, das sich in der waldigen Bergregion massiv ausgebreitet hatte. Der britische Guardian zitierte einen Mitarbeiter des Krankenhauses im Küstenort Portimao, der auf die Hitzeopfer hinwies: „Wir haben einen Anstieg der Sterbefälle in allen Alterstufen beobachten könnten.“ [26] Eine Besonderheit des heißen und trockenen Sommers 2018 bestand darin, dass das Extremwetter in der gesamten nördlichen Erdhemisphäre gleichzeitig auftrat. Darin unterscheidet es sich von früheren Klimaereignissen. So hatte die Hitzewelle von 2003 ihren Schwerpunkt allein in West- und Mitteleuropa. Und im Sommer 2010 lag eine extreme Wärmeglocke vornehmlich über dem europäischen Teil Rußlands. Im Sommer 2018 bewegen sich dagegen zahlreiche Regionen auf dem Globus im Gleichtakt. So wurde das Extremwetter in Japan bereits Anfang Juli 2018 mit heftigen Sturzregenfällen eingeleitet, die mindestens 220 Todesopfer zur Folge hatten. Danach legte sich über das Land eine langanhaltende Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 41 Grad Celsius, in deren Folge 35.000 Menschen Krankenhäuser aufsuchen mussten [12]. Auch der Westen der USA mit Kalifornien war von einer erdrückenden Hitze betroffen. Sie führte zu Feuersbrünsten in vielen Waldregionen. Der Yosemite-Nationalpark musste für Besucher gesperrt werden. Anfang August dehnten sich die Waldbrände noch einmal aus. Zeitungen berichteten, dass sich ein Waldbrand nördlich von San Francisco nahe dem Ort Mendocino zum größen Feuer in der Geschichte des Bundesstaates ausgeweitet hatte. Die brennende Fläche umfaßte etwa die doppelte Größe des Bodensees [13]. Auch Kanada und die Ostküste der USA wurden von einer Hitzewelle erfasst. Im kanadischen Montreal wurden bereits Mitte Juli mehr als 18 Tage gezählt, bei denen die Temperatur über 30 Grad lag. Die Folge war ein ungewöhnlicher Anstieg der Todesfälle. Die städtische Leichenhalle war überfüllt, so dass die Behörden sich gezwungen sahen, die Toten an anderen Orten zwischenzulagern [14]. Auch Taiwan war betroffen: In dem Land wurde eine bis dahin nie erreichte Rekordtemperatur von 40,3 Grad Celsius erfasst. Im Ort Ouargla, in der algerischen Sahararegion, stieg die Temperatur sogar auf 51,3 Grad Celsius. Dieser Wert kann als die höchste Temperatur angesehen werden, die je auf dem afrikanischen Kontinent gemessen wurde [12]. Das gleichzeitige Auftreten von Klimaextremen in vielen Regionen der nördlichen Hemisphäre ist in jedem Fall bemerkenswert. Es könnte ein erster Hinweis auf zukünftig global wirkende Hitzeereignisse sein. Das könnte dann Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit haben. Auf diese Möglichkeit wies im Mai 2018 eine Publikation von Wissenschaftlern hin [27]. Michelle Tigchelaar von der University of Washington, die an der Studie mitgewirkt hatte, schrieb dazu: “Wir fanden heraus, dass bei einer Erwärmung des Planeten die Wahrscheinlichkeit steigt, dass unterschiedliche Länder gleichzeitig große Ernteverluste erleiden. Das würde im Ergebnis große Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise und die Lebensmittelsicherheit haben.“ [28]

7. Ursachen des Hitzesommers

Im Gegensatz zum Sommerwetter 2018 verlaufen die bisher üblichen mittel- und westeuropäischen Sommer meist wechselhaft. Tiefdruckgebiete ziehen vom Atlantik im schnellen Tempo über Deutschland hinweg bis nach Rußland. Sie bringen Schauer und Abkühlung. Danach kommen ein bis zwei Tage Hitze und dann erreicht auch schon wieder ein Tiefausläufer das Land. So entwickeln sich normale Sommer im klimatisch gemäßigten Deutschland. Die Vegetation und auch die Landwirtschaft sind daran angepaßt. Der Sommer 2018 fiel dagegen aus der Reihe. Er war von einem weit im Norden liegenden großen Hochdruckgebiet geprägt, das sich sehr träge verhielt und kaum von der Stelle bewegte. Klimawissenschaftler erklären das mit dem mittlerweile in weiten Bereichen aufgetauten Nordpolarmeer. Während Polareis die Sonnenstrahlung wieder in den Weltraum reflektiert, schluckt der freigelegte dunkle Ozean die Sonnenwärme. Dadurch heizt sich die Arktis auf, was das Temperaturgefälle gegenüber den Tropen verringert. Die Luftdruckunterschiede sind somit geringer, was zu stabilen und langanhaltenden heißen Wetterlagen führt. Aufgrund der Erderwärmung sind zukünftig Extremwetter auch in Europa vermehrt zu erwarten. Klimawissenschaftler des britischen Metrological Office (Met) schrieben in einer Analyse aus dem Jahr 2014, dass aufgrund des zunehmenden Kohlendioxid-Gehalts in der Erdatmosphäre zukünftig Wettersituationen wie im Jahr 2003 immer häufiger auftreten werden [15]. Der US-Klima- Wissenschaftler Michael Mann argumentierte gegenüber dem britischen Guardian ähnlich: „Was wir heute als Extremwetter bezeichnen, werden wir in einigen Jahrzehnten einfach „Sommer“ nennen, wenn wir die CO2– Emissionen nicht drastisch reduzieren.“ [16]

8. Zunahme der Betroffenheit

Ein beachtlicher Teil der Bevölkerung hat den heißen Sommer 2018 als negatives Ereignis erlebt. Durch die Medienberichterstattungen assoziieren viele die Hitzewelle mit dem Klimawandel, der damit auch als Bedrohung empfunden wird. Diese Stimmung kommt in einem Artikel von Carolin Emcke in der Süddeutschen Zeitung zum Ausdruck, einer Friedens-Preisträgerin des Deutschen Buchhandels. Sie schrieb: „Die ökologische Katastrophe hat nichts Prognostisches mehr, sondern Sie entfaltet sich in der Gegenwart vor unseren Augen.“ Und noch deutlicher: „Sie betrifft uns schon in der Jetztzeit.“ [17] Das korrespondiert mit einer wissenschaftlichen Studie, die 2017 in der Zeitschrift Lancet veröffentlicht wurde [18]. Darin wird die Betroffenheit der Bevölkerung angesichts zunehmender Wetterextreme untersucht. Während in der Referenzphase von 1981 bis 2010 pro Jahr nur für 5% der Bevölkerung Europas Hitzeereignisse, Überflutungen und schwere Stürme erfahrbar waren, werden im Zeitraum von 2071-2100 pro Jahr schon zwei Drittel der EU-Bevölkerung genau dies erleben. Der Sommer 2018 zeigt, dass wir uns bereits in diese Richtung bewegen.

9. Roadmap für Kohleaustieg

Erfahrbare Klimaextreme sind gute Zeiten für politische Aufklärung. Als Anfang August Klimawissenschaftler des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung PIK einen Artikel über die dramatische Gefahr einer neuen Heißzeit veröffentlichten, fand dieser einen Wiederhall in vielen Zeitungen und auch in den Hauptnachrichtensendungen des deutschen Fernsehens [19]. Die Klimabewegung kann die Stimmung nutzen, um einen schnellen und umfassenden Ausstieg aus der Kohlenstoff-Ökonomie zu propagieren. Anknüpfen könnte man an dem Vorschlag führender europäischer Klimawissenschaftlern für ein Kohlenstoff-Gesetz, der letztes Jahr veröffentlicht wurde [20]. Sie propagieren eine Roadmap, bei der die Treibhausgasemissionen in 10-Jahresschritten immer wieder halbiert werden, bis sie 2050 bei Null liegen. Das Ende der Kohleverbrennung läge danach im Zeitraum von 2030 bis 2035 und das letzte Öl würde zwischen 2040-45 verbrannt. Im Gegensatz zu den verlogenen CO2-Austiegsschrittchen der Bundesregierung handelt es sich um eine ernsthafte Initiative. Ökosozialistinnen können diesen Fahrplan kritisch unterstützen und helfen, Umbauszenarien für alle wesentlichen Wirtschaftszweige zu entwickeln. Es ist ein Weg um das Klima wieder zu stabilisieren und um den Übergang unseres Planeten in eine apokalyptische Heißzeit zu verhindern. Stefan Rahmstorf vom PIK argumentierte ebenfalls in diese Richtung. Durch sofortige Nullemissionen könnte man die globale Erwärmung weitgehend stoppen. „Wenn es nicht mehr wärmer wird, dann wird auch die Zahl der Hitzewellen nicht mehr weiter zunehmen.“ [25] Große Hoffnungen in die Bundespolitiker in Berlin sollte man aber nicht setzen. Selbst als am 30. Juli in Berlin 36,3 Grad gemessen wurde und die Stadt unter der Hitze stöhnte, gab es von der Regierungsbank nicht ein kritisches Statement zur globalen Klimaerwärmung. Man stoße „auf eine Mauer des Schweigens und Verdrängens“ erklärte bereits im September 2017 der Leiter des PIK, Hans Joachim Schellnhuber, die Ignoranz von Bundesregierung und Berliner Parlamentariern [31].


Verwendete Quellen:

  1. Die Erde bleibt warm, US-Behörde: Globale Erwärmung war 2017 weltweit spürbar, Süddeutsche Zeitung, 03.08.2018
  2. Umweltbundesamt: Trends der Lufttemperatur, 09.05.2018
  3. Vorläufiger Rückblick auf den Sommer 2018 – eine Bilanz extremer Wetterereignisse, Deutscher Wetterdienst, 03.08.2018, www.dwd.de
  4. Dürremonitor Deutschland, Helmholz Zentrum für Umweltforschung UFZ, ifz.de
  5. Das Erste, Sommer extrem, 01.08.2018
  6. ZDF, heute-nachrichten 19 Uhr, 02.08.2018
  7. Dürre trocknet Wälder aus -Vorgeschmack auf Klimawandel?, NRZ, 06.08.2018
  8. Berliner Morgenpost, Extreme Hitze: Fluss in Brandenburg ausgetrocknet, 6.8.18
  9. Volksstimme.de: Harzer Flüsse trocknen aus, 7.7.2018
  10. Süddeutsche Zeitung, 7.8,18 Zu heiß für Fische
  11. Wikipedia, Großkraftwerk Mannheim
  12. Aus: Headwave mache more than twice as likely by Climate Change, Scientists find, Guardian, 27.07.2028
  13. So groß wie L.A. – Größter Waldbrand der Geschichte bedroht Kalifornien, Die Welt, 07.08.2018
  14. Guardian, 22.07.2018: The big Heatwave: From Algeria to the Arctic. But what’s the Cause?
  15. Christidis; G.S.Jones; P.A.Stott: Darmatically increasing chance of extreme hot summers since the 2003 European heatwave, nature climate change, 08.12.2014
  16. Why is Europe going through a heatwave?, Guardian, 24.07. 2018
  17. Carolin Emcke: Außen, Süddeutsche Zeitung, 4./5.08.2018
  18. Giovanni Forzieri et al.: Increasing risk over time of weather-related hazards to the European population: a data-driven prognostic study, Lancet Planet Health, Vol 1, August 2017
  19. Will Steffen; Johan Rockström et al.: Trajectories of the Earth System in the Anthropocene, PNAS, 06.08.2018
  20. Johan Rockström et al.: A roadmap to rapid decarbonization, Science, 24.03.2017
  21. Diana Perkins et al.: Impact of Climate Trends and Drought Events on the growth of Oaks within and beyond their natural range, Forests, 28.02.2018
  22. Elliott, K. J.; Swank, W.T.: Impacts of drought on tree mortality and growth in a mixed hardwood forest, Journal of Vegetation Science 5, 229-236, 1994
  23. Brendan Choat; Craig R. Brodersen; Tim Brodribb; Belinda E. Medlyn: Triggers of tree mortality under drought, Nature 558 (7711), June 2018
  24. Drought and Tree Mortality: Science reveals harsh Future for World’s Forests. Interview mit Prof. Craig Brodersen, environment.yale.edu, 19.07.2018
  25. Die Erde glüht – Was ist da los? Der Tagesspiegel, 21.07.2018
  26. Portugal’s skies turn orange as desert air sends temperature soaring, Guardian, 04.08.2018
  27. Michelle Tigchelaar et al.: Future warming increases probability of global y synchronized maize production shocks, PNAS, 09.05.2018
  28. Shrinking harvests likely as heat increases, Climatenewsnetwork.net, 19.06.2018
  29. Craig Robert Brodersen et al.: In Vivo Visualizations of Drought-Induced Embolism Spread in Vitis vifera, Plant Physilogy, April 2013, Vol. 161, pp. 1820-1829
  30. Andrew J. McElrone et al.: Mechanical Failure of Fine Root Cortical Cells Initiates Plant Hydraulic Decline during Drought, Plant Physiology, November 2016, Vol. 172, pp. 1669-1678
  31. Klimaziel außer Reichweite, Süddeutsche Zeitung, 08.09.2017

Die Schriftenreihe „Ökosozialismus: Analyse + Perspektiven“ analysiert aktuelle ökologische und politische Fragestellungen und erscheint in loser Folge. Die Schriften sind im Netz zu finden auf den Seiten des Ökosozialistischen Netzwerks (oekosozialismus.net) sowie teilweise auf der Homepage der Sozialistischen Zeitung ( www.sozonline.de).

Kontakt, Bestellung, Mitarbeit und Anforderung von Referenten zu den Themen: Klaus Meier, Ökosozialistisches Netzwerk, Mail: MeierKlaus13@yahoo.de

Heißzeit ante Portas

Die Zukunft hat schon begonnen

Verheerende Waldbrände in Schweden, in Griechenland, in Kalifornien, eine schwere Hitzewelle in Japan, Dürre und Hitze im Iran, großflächige Waldbrände auch in Brandenburg, die Oder seit Wochen nicht mehr schiffbar und auf historischem Tiefststand…, man könnte die Aufzählung endlos fortsetzen.

Der diesjährige „Jahrhundertsommer“ bietet eine Ahnung davon, was der Welt in Zukunft bevorsteht. Dabei ist die Oberflächentemperatur der Erde im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts ja erst um gut ein Grad angestiegen. Wie wird es erst sein, wenn es drei oder gar fünf Grad mehr sind? Man mag sich das eigentlich gar nicht vorstellen, – das macht regelrecht Angst.

Doch die Zukunft des Planeten, die wir noch ein wenig aufschieben wollten, hat längst begonnen und klopft in Form einer Hitzewelle und Dürre an unsere Tore und kündigt das Kommen einer lebensfeindlichen Heißzeit an. Das sollte uns berechtigt Angst machen und uns endlich begreifen lassen, dass eine drei Grad wärmere Welt ein unerträglicher Albtraum wäre. Die Erfahrung, wie unerträglich es jetzt war und dann immer sein würde, hilft vielleicht mehr als 1000 Worte, noch rechtzeitig aufzuwachen und eine andere Welt und eine andere Zukunft zu ermöglichen. Die Erde ist schon dabei, die Schwelle zur Heißzeit zu überschreiten und in einen lebensfeindlichen Systemzustand überzugehen, was wir vielleicht noch verhindern, aber nicht rückgängig machen können. Eine symbolische Klimapolitik des Aufschubs und der Vertagung, des so tun „als ob“, wie in den vergangenen 25 Jahren, in denen sich die Emissionen verdoppelt haben, ist nicht mehr verantwortbar.

Kohlenstoffbudget, CO2-Konzentration und globale Mitteltemperatur
Quelle: http://openclimatedata.net/climate-spirals/from-emissions-to-global-warming-line-chart/

Nach Angaben der UN-Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat sich die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid 2016 so schnell erhöht wie noch nie und einen neuen Rekordwert erreicht. Im weltweiten Durchschnitt lag sie demnach bei 403,3 ppm (Teilchen Kohlendioxid pro eine Million Luftteilchen), nach 400 ppm im Jahr 2015. Dieser anhaltende schnelle Anstieg beruht nicht nur auf den ungebremsten menschlichen Emissionen, auch jeder Waldbrand erhöht die CO2- Konzentration.

2016 war laut Zahlen der US-Atmosphärenbehörde NOAA das bislang wärmste Jahr – die weltweite Durchschnittstemperatur lag 0,94 Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts. 2017 war laut Zahlen der NASA das zweitwärmste Jahr. Der diesjährige erneute

Jahrhundertsommer ?

bricht weltweit Rekorde. So war es im Juli in Nordamerika vielerorts mehr als 15 Grad zu warm, in Montreal sind Anfang Juli Dutzende Bewohner in Folge der Hitzewelle gestorben.

Im Juli 2018 wurden in sehr vielen Ländern Temperaturrekorde gebrochen. In Südkalifornien waren es mehr als 43 Grad, in Denver gut 40 und in Montreal fast 37. In Jerewan in Armenien erreichte das Thermometer 42 Grad, und Quriyat in Oman vermeldete Ende Juni, dass die Temperatur 24-Stunden nicht unter 42,6 Grad gefallen sei. Im Südirak, im Iran sowie im Norden Pakistans kletterte das Thermometer auf unerträgliche 52 Grad. Selbst an der Nordküste Russlands, am Polarmeer, gab es Temperaturen von 32 Grad.

In den von der Hitze erdrückten Teilen Nordamerikas, Nordafrikas und des Nahen Ostens werden die Temperaturen für viele Menschen inzwischen lebensgefährlich. Besonders

Wenn es nachts kaum abkühlt,

belastet das den Organismus, weil der Schlaf gestört wird. Die Rekorde für die „höchste Mindesttemperatur“ werden zurzeit ungefähr doppelt so häufig gebrochen wie für die „höchste Maximaltemperatur“: Die amerikanische Behörde für Ozeane und Atmosphäre zählte in den vergangenen 30 Tagen weltweit gut 5000 neue Spitzenwerte nachts und knapp 2700 tagsüber.

Klimaforscher fühlen sich durch die Ereignisse bestätigt. „Durch die Erderwärmung sind häufigere und schlimmere Hitzewellen und Extremniederschläge physikalisch zu erwarten, und Klimaforscher haben seit Langem davor gewarnt“, so Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Der Klimawandel hat

Extremwetterereignisse, wie Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen

schon doppelt so wahrscheinlich gemacht. „Eine signifikante weltweite Zunahme solcher Ereignisse wurde bereits nachgewiesen. Dieser Trend wird sich nur dadurch verlangsamen lassen, dass das Pariser Klimaschutzabkommen endlich konsequent umgesetzt wird.“, so Rahmstorf.

Heiße Tage sind bereits spürbar häufiger geworden. Sollte das Zwei-Grad-Ziel verfehlt werden, könnten unter anderem Teile Südasiens bis 2100 schwer von Hitzewellen getroffen werden und unbewohnbar werden. Auch in Afrika würden die Dürren weiter zunehmen. Das Leben von vielen Hundert Millionen Menschen wäre bedroht. Das fehlende Wasser der schwindenden Gletscher würde diese Situation zusätzlich verschärfen.

Auch große Teile Deutschlands leiden unter Hitze und außergewöhnlicher Trockenheit. Für die drei Monate zwischen Anfang April und Anfang Juli spricht der DWD von „schwerer bis extremer Dürre“.

Viele Bauern haben ihr Getreide bereits notgeerntet, und in Berlin wurden die Bürger aufgefordert, die Straßenbäume zu wässern.

„Der Mai 2018 war in Deutschland der wärmste Mai seit 1881 und nach dem diesjährigen April der zweite Monat in Folge mit einem neuen Rekordwert“. So lautet das Fazit des Deutschen Wetterdienstes zur aktuellen Wettersituation, die von einer Vielzahl von Extremereignissen wie häufigen Gewittern, Starkniederschlägen und lokalen Hochwasserereignissen im Süden und Westen des Landes sowie einer ausgeprägten Trockenheit im Norden begleitet wurden.

Die Arktis zeigte sich nach März und April, auch im Monat Mai in vielen Bereichen, deutlich wärmer als im langjährigen Durchschnitt, eine offenkundige Folge der veränderten atmosphärischen Zirkulation (siehe J Tallig, „Kippelement atmosphärische Zirkulation“, 2016)., Die Struktur der Druckanomalien (Tiefdrucksystem über Grönland und Hochdrucksystem über Skandinavien) erhöhte den Zustrom von warmer und feuchter Luft aus dem Nordatlantikbecken in Richtung Arktis. Das führte zu einem verstärkten Eintrag von Wärme in die Arktis, was dazu führte, dass die Eisschmelze schon früh im Jahr einsetzte. Die Meereisausdehnung in der Arktis befindet sich schon seit dem Winter auf einem sehr niedrigen Niveau. Doch nicht nur das arktische Meereis schmilzt beschleunigt und nicht nur der Permafrost taut auf, -im vergangenen Jahrzehnt ging auch den Gletschern in Alaska, Kanada, Grönland, Asien und den südlichen Anden sehr viel Eis verloren und auch die gesamte Antarktis verliert immer mehr Eis, was den Meeresspiegelanstieg weiter beschleunigt hat.

Antarktisschmelze und Meeresspiegelanstieg beschleunigt

Der Beitrag der Antarktis zum Anstieg des Meeresspiegels könnte sich als viel höher erweisen, als bisher angenommen. Die dortigen Eismassen reichen aus, um die Ozeane um unvorstellbare 60 Meter ansteigen zu lassen; entsprechend relevant ist alles, was dort passiert. Lange dachte man, die Region um den Südpol würde erst sehr spät zu schmelzen beginnen. Neuere Messungen und Simulationen aber zeigen besorgniserregende Ergebnisse: Allein die Antarktis könnte demnach bis zum Jahr 2100 mehr als einen Meter zum Meeresspiegelanstieg beitragen, insgesamt könnten die Ozeane bis dahin um 1,80 Meter oder mehr steigen. Sollte es so kommen, würde das katastrophale Krisen auslösen. Riesige Städte wie Mumbai und Shanghai wären bedroht, Miami und New Orleans sowieso. Heute dicht bevölkerte Küstenregionen würden unbewohnbar.

Sicher ist, dass dieses Schreckensszenario umso näher rückt, je schneller und weiter die Erwärmung voranschreitet: Gelingt es, sie auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, würde das zwar keinen absoluten Schutz bieten. Aber es wäre weit weniger riskant als drei oder vier Grad Temperaturanstieg. „Jenseits von zwei Grad Erderwärmung steigen die Großrisiken steil an, es droht das Überschreiten von Kipppunkten“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „So könne der Meeresspiegel allein wegen des Abschmelzens des Grönland- Eisschilds um sieben Meter ansteigen“.

Um die Erderwärmung noch zu begrenzen, müsste sich die Welt spätestens um die Mitte des Jahrhunderts weitgehend von fossiler Energie verabschiedet haben. Das 1,5-Grad -Ziel, das laut Paris-Vertrag eigentlich angestrebt werden soll, wäre bei den jetzigen, unverändert hohen Emissionen schon in fünf Jahren nicht mehr erreichbar. Die aktuellen freiwilligen Zusagen von Treibhausgasreduzierungen der Vertragsteilnehmer laufen eher auf mindestens drei Grad Erderwärmung hinaus, wobei ja noch völlig ungewiss ist, ob diese Selbstverpflichtungen denn überhaupt eingehalten werden (siehe Deutschland). Papier ist bekanntlich geduldig.

Prof. Stefan Rahmstorf auf Kontext TV: „Bereits vor mehr als 50 Jahren, im Jahr 1965, warnten Klimawissenschaftler den US-Präsidenten Lyndon B. Johnson vor den dramatischen Folgen eines menschengemachten Klimawandels. Vor dem Hintergrund dieser langen Geschichte ist das Pariser Klimaabkommen von 2015 mindestens 20 Jahre zu spät gekommen. Die freiwilligen Reduktionen des Abkommens (die noch nicht erfolgt sind J.T.) decken nur die Hälfte der notwendigen Maßnahmen ab. Während zu einem früheren Zeitpunkt ein langsamer Umbau zu einer CO2-freien Wirtschaft möglich gewesen sei, müsse der Ausstieg aus den fossilen Energien jetzt sehr schnell in Angriff genommen werden, um katastrophalen Klimawandel zu verhindern. Doch dazu sei der politische Wille der Bundesregierung – die bereits ihre eigenen Klimaschutzziele für 2020 aufgegeben hat – nicht zu erkennen.“

Sommer, Sonne, Aktivismus

Bild von: http://www.ausgeco2hlt.de/

Hier ein paar Veranstaltungs-, Aktions- und Bildungsmöglichkeiten. Subjektiv und unvollständig zusammengetragen von der Projektwerkstatt Sassen

Hallo …
es läuft die Sommerphase … und damit auch die ersten großen Camps. Andere stehen unmittelbar bevor:

  • die Tour de Natur ist gerade im Südharz unterwegs. Sie startete in Kassel und wird noch über Halle zum Klimacamp in Pödelwitz fahren (www.tourdenatur.net)
  • das Klimacamp in Pödelwitz (südlich Leipzig) ist mit der Sommerschule von Degrowth ebenfalls schon am Laufen. Aktivistischer wird es ab dem 2.8., wenn auch die Tour de Natur dort ist und die Aktion „Kohle ersetzen“ anläuft (https://www.klimacamp-leipzigerland.de und http://www.kohle-ersetzen.de/). Das Camp endet am 5.8.
  • Eine Woche später (genauer: 11.-22.8.) beginnt das Klimacamp im Rheinland, diesmal weniger aktionistisch, aber mit Debatten und Konferenzen über zukünftige Aktivitäten, Organisierungsstrukturen und Schwerpunkte (http://www.klimacamp-im-rheinland.de).
  • Den Abschluss bildet das Klimacamp mit dem Schwerpunkt Mobilität (5.-9. in Vaterstetten bei München, http://www.klimacamp-muenchen.org). Wie auf dem bundesweiten Nulltarif-Ratschlag am 2.6. in Kassel verabredet, soll dort neben Workshops und Aktionen am Ende das nächste bundesweite Vernetzungstreffen zu Verkehrsaktionen stattfinden – und zwar am Sonntag, den 9.9., von 11 bis 16 Uhr soll es dauern.
  • Der September ist dann auch schon die heiße Phase im Hambacherforst. Ende September soll deshalb dort ein Skillsharing-Camp stattfinden. Ab Oktober könnte RWE dort wieder roden, um der Gier nach Kohle (im doppelten Sinne) nachzukommen. Das wollen Waldbesetzer*innen und viele mehr verhindern. Mehr auf https://hambacherforst.org/
  • Ende Oktober mobilisiert dann Ende Gelände in den Hambacherforst, um sich der weiteren Braunkohleverstromung in den Weg zu stellen. Mitte des Monats wird die Stadt Stuttgart vermutlich wieder den traditionellen Stickoxidalarm ausrufen. Das wäre eine erste Möglichkeit, mal eine größere, gemeinsame Verkehrsaktion zu schieben und der Stadt zu zeigen, dass begleitendes Gejammere zum profitablen Autowahn nicht länger von uns akzeptiert wird.

Keine Frage: Das ist eine subjektive Auswahl von vielen politischen Aktionen, Camps und Themen, die wichtig sind. Wenn Ihr grad an anderen Sachen dran seid – auch gut. So oder so viel Spaß, wenig Neigung zu Anbiederung an die Mächtigen und Mut, wieder mehr radikale Positionen und kreative Aktionen zu wagen.

PM: Klimawandel erfordert Weichenstellungen

Angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel fordert die Sprecherin für Agrarpolitik und regionale Entwicklung der Linksfraktion, Dr. Johanna Scheringer-Wright, sowohl Anpassungsmaßnahmen als auch einen umgehenden Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung. Sie ruft deshalb zur Teilnahme an der Demonstration für einen besseren Klimaschutz am kommenden Samstag in Leipzig auf und zur Unterstützung des Klimacamps im Leipziger Land.

Die diesjährigen Hitzewellen und Dürren zeigen: der Klimawandel ist in vollem Gang. Darauf muss sich eingestellt und Maßnahmen ergriffen werden, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Erderhitzung zu reduzieren. „Kurzfristige Hilfen an Landwirte und Kommunen wegen Ernteverlusten und Hitzeschäden sind zwar zu begrüßen, können aber grundsätzlich andere Weichenstellungen nicht ersetzen“, so die Abgeordnete.

Für die Landwirtschaft bedeutet dies zum Beispiel, mehr Augenmerk auf Bewässerung zu legen. Deshalb ist unbedingt zu verhindern, dass meliorierte Flächen, die wie im Erfurter Umland bewässerungsfähig sind, zugebaut und versiegelt werden. Zudem kommt der Nutzung von Wasserspeichern eine hohe Bedeutung zu. Wie die drastischen Ernteausfälle vieler Thüringer Landwirtschaftsbetriebe zeigen, muss geprüft werden, welche Pflanzenarten und Sorten natürlicherweise besser mit Trockenstress auskommen. Auch das herkömmliche Anbauregime muss angepasst werden. Die Erforschung solcher an den Klimawandel angepasster Anbaustrategien und Sorten wäre bei der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft gut angesiedelt.

Auch Dörfer und Städte müssen sich den Herausforderungen des Klimawandels stellen. So wird es immer wichtiger, Flächen zu entsiegeln, damit Regenwasser im Boden gespeichert werden kann. Individueller Autoverkehr muss durch attraktive Angebote im öffentlichen Nahverkehr und Schwerlastverkehr durch Verlagerung auf die Schiene gesenkt werden. Auch die Begrünung in den Städten wird immer wichtiger, um die Temperaturen in Schach zu halten. Scheringer-Wright begrüßt daher die Ankündigung der Landesregierung, in das Förderprogramm „Klima Invest“ für die Kommunen auch solche Fördermaßnahmen einzuarbeiten.

Gleichzeitig ist es dringend geboten, die Erderhitzung zu reduzieren, damit die Klimakatastrophe abgemildert werden kann. Dazu ist es unumgänglich, schnellstmöglich konsequent aus der fossilen und atomaren Energiegewinnung auszusteigen. Neue Aufschlüsse von Kohlegebieten, wie durch die MIBRAG im Leipziger Land, die LEAG in der Lausitz oder die RWE im Hambacher Forst, dienen nur dem Profit einzelner Aktionäre und werden den lebensnotwendigen Kohleausstieg und die Energiewende behindern. DIE LINKE fordert, den Kohleausstieg jetzt zu beginnen und spätestens bis 2035 alle Kohleförderung sozial verträglich zu beenden.

Im Leipziger Land sollen demnächst zwei weitere Dörfer, nämlich Pödelwitz und Obertitz, abgebaggert werden. Dagegen hat sich ein breites Bündnis von Klimaschützern gebildet.

Scheringer-Wright fordert dazu auf dieses Klimaschutzbündnis zu unterstützen, und kündigt an, selbst an der Demonstration am 28. Juli in Leipzig teilzunehmen und vom 2. bis 5. August im Klimacamp in Pödelwitz vor Ort zu sein.

Die LINKE und die Ökologie

Wir laden alle ein, mit uns das Thema „Die LINKE und Ökologie“ zu diskutieren.
Die bisherigen sporadischen Diskussionen zu einzelnen Beiträgen hier sind aus unserer Sicht unzureichend, um Themen gründlich zu behandeln. Zu oft verbleiben wir bei Statements, ohne zu tragfähigen Lösungen zu kommen.

Unser Forum.oekologische-plattform.de soll uns die Möglichkeit geben, die Umweltpolitik DER LINKEN und unsere eigenen Aktivitäten gründlicher zu diskutieren und zusätzliche Anregungen aufzunehmen. Vor allem geht es uns um die Frage, wie das programmatische Ziel des sozial-ökologischen Umbaus (https://web.archive.org/web/20170203210913/https://www.die-linke.de/partei/dokumente/programm-der-partei-die-linke/iv4-wie-erhalten-wir-natur-und-gesellschaft-sozial-oekologischer-umbau/) mit der Tagespolitik verbunden wird.

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Braunkohle-Ausstieg spart jährlich fast 28 Milliarden Euro

Neue Studie von Greenpeace Energy

Greenpeace, Hamburg/Berlin 25.06.2018

Durch einen schnellen Braunkohleausstieg in Deutschland ließen sich jährlich 27,9 Milliarden Euro für Schäden und Zusatzkosten vermeiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS – http://www.foes.de/) im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy (https://www.greenpeace-energy.de/). Für die Untersuchung haben die Experten des FÖS neben den Stromgestehungskosten auch die Kosten erfasst, die durch Klima- und Gesundheitsschäden sowie durch Subventionen und staatliche Vergünstigungen entstehen.

„Die Studie entlarvt die angeblich so billige Braunkohle als eine der teuersten Formen der Stromerzeugung überhaupt. Ein möglichst schneller Abschied von der Braunkohleverstromung ist deshalb nicht nur unabdingbar, damit Deutschland seine Klimaziele erreichen kann. Er ist auch ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft“

kommentiert Janne Andresen von Greenpeace Energy. Die Studie liefert Erkenntnisse für die Arbeit der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission. Das Gremium soll morgen seine Arbeit aufnehmen.

„Die Stromproduktion in Braunkohlekraftwerken ist zwar für sich betrachtet noch recht günstig. Erneuerbare Energien aus Wasser, Wind und Sonne sind inzwischen jedoch beim gleichen Preisniveau angelangt. Vor allem aber zieht die Braunkohleverstromung enorme klima- und gesundheitsschädliche Folgekosten nach sich“,

erläutert Rupert Wronski vom FÖS. Den Löwenanteil machen dabei die Klimaschäden aus, die sich laut FÖS auf 23,2 Milliarden Euro jährlich belaufen. Durch die Braunkohle verursachte Gesundheitsschäden kosteten die Bürgerinnen und Bürger circa 3,1 Milliarden Euro. Braunkohle setzt erhebliche Mengen an Schadstoffen wie Quecksilber, Feinstaub und Stickoxid frei. Sie können Atemwegs-, Herz-Kreislauf- sowie neurologische Erkrankungen wie Alzheimer verursachen. Subventionen und staatliche Vergünstigungen für die Braunkohle schlagen mit circa zwei Milliarden Euro jährlich zu Buche.

Hintergrund:

Greenpeace Energy ist eine von der Umweltschutzorganisation Greenpeace e.V. gegründete Ökoenergie-Genossenschaft. Sie versorgt inzwischen mehr als 130.000 Kundinnen und Kunden mit sauberem Gas und Strom – unter anderem durch den Tarif Solarstrom plus, der die erneuerbare Stromerzeugung speziell in den Braunkohlegebieten unterstützt. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) ist ein überparteilicher und unabhängiger politischer Think Tank. Es setzt sich für eine Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft hin zu einer Ökologisch-Sozialen ein.

Die Studie finden Sie hier zum Download:
http://www.foes.de/pdf/2018-06-25-GPE-Studie-Braunkohle.pdf

Der unterschätzte Klimawandel

Von Jetstreams, versinkenden Städten und Todeszonen im Meer – Hinweis auf ein Interview auf Kontext TV

Klimamodelle hätten einige wichtige Aspekte des Klimawandels bisher unterschätzt, so der weltweit renommierte Klimaforscher Stefan Rahmstorf. Arktis und Antarktis schmelzen deutlich schneller als bisher angenommen. Bereits bei einen Meeresspiegelanstieg von unter einem Meter seien Küstenstädte wie New York durch eine Zunahme von Sturmfluten existentiell bedroht. Die Veränderung von Luftströmungen wie dem Jetstream führe zu vermehrten Extremwetterereignissen wie Hitzewellen, Kälteeinbrüchen und Starkregen. Da 50 Jahre auf die Klimawissenschaften kaum reagiert wurde, sei nun ein sehr schneller Ausstieg aus den fossilen Energien notwendig. Doch der Bundesregierung fehle dazu der politische Wille. Die enorm hohen Subventionen für Öl, Gas und Kohle müssen rasch abgebaut und neue Kohlekraftwerke verhindert werden.

Das Gespräch mit Stefan Rahmstorf, Co-Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Professor für die Physik der Ozeane an der Universität Potsdam, glidert sich in vier Teile:

Jetstream-Veränderung verursacht Extremwetterlagen / Pole schmelzen schneller als erwartet / Städte wie New York gefährdet

Todeszonen in den Ozeanen breiten sich durch Erwärmung aus / Golfstrom bereits um 15 % abgeschwächt

Pariser Klimaabkommen 20 Jahre zu spät / Rascher Ausstieg aus fossilen Energien nötig / Politischer Wille der Bundesregierung fehlt

Subventionen fossiler Energien beenden / Moratorium für neue Kohlekraftwerke / Klimaskeptiker von Exxon und Co. bezahlt

 

gesamtes Gespräch auf kontext-tv ansehen

Schellnhuber in der Kohlekommission

„Sehenden Auges in die Klimakatastrophe“

Die Kommission, die bis Dezember 2018 einen Kohleausstiegspfad erarbeiten soll und nun – nach vielen Verzögerungen – von der Bundesregierung eingesetzt wurde, wird von Vielen „Kohlekommission“ genannt. Ihr offizieller Name lautet aber unverfänglich „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (WSB)“.  – Ein Uninformierter wird sich darunter alles Mögliche vorstellen, aber eher nicht darauf kommen, dass es um das brisante Thema Kohleausstieg für den Klimaschutz gehen soll. Gehen „soll“! – Ob es darum auch tatsächlich gehen wird, darüber kann man angesichts von Verlautbarungen der Beteiligten ins Zweifeln geraten.

Der Einzige, der sich unmissverständlich äußert, ist der Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung, Prof. Hans-Joachim Schellnhuber. Dass auch er in die Kommission berufen wurde, wird aber eher nicht an die große Glocke gehängt. Schellnhuber, der in früheren Jahren, die CCS-Technik propagierte, hat sich kürzlich hiervon distanziert und spricht nun beeindruckend Klartext.

Die „POTSDAMER NEUESTEN NACHRICHTEN“ vom 06.06.2018 berichten:

„Als Naturwissenschaftler in der Kommission werde ich insbesondere geltend machen, dass ein zögernder Kohleausstieg durch die Gesetze der Physik bestraft werden würde.“

Die Dringlichkeit des Klimaschutzes werde tagtäglich durch die zunehmenden Wetterextreme unterstrichen. Schellnhuber bezeichnete es als ungewöhnlich, dass eine

„so schicksalhafte Weichenstellung in einer modernen Industriegesellschaft nicht durch Regierungserlass, sondern durch Diskurs und vernünftigen Kompromiss“

vorgenommen werden soll.

„Wenn dieses Vorhaben gelingt, wird ein großer Gewinner die politische Kultur in Deutschland sein“,

sagte der Physiker, der auch Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) und Vorsitzender des High Level Panel on Decarbonisation Pathways der Europäischen Kommission ist.

Der PIK-Chef Schellnhuber sagte erst unlängst, dass die Menschheit heute sehenden Auges der Klimakatastrophe entgegen gehe.
In einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ vom 15. Mai sagte er:

„Als die Pest 1347 über Europa kam, wusste man nicht, woher das Unheil stammte, und es gab kein Heilmittel. Die Menschen waren völlig ratlos und verzweifelt, heute wissen wir dagegen genau, was Sache ist. Trotzdem keine Reaktion zu zeigen, ist schändlich. Und sehr dumm.“

Der Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, dessen Leitung er im September nach 25 Jahren abgibt, vergleicht in dem Interview die aktuelle Situation mit einem leckgeschlagenen Schiff auf hoher See. Natürlich gebe es dort auch neben dieser Havarie Probleme:

„Das Essen in der dritten Klasse ist miserabel, die Matrosen werden ausgebeutet, die Musikkapelle spielt deutsche Schlager, aber wenn das Schiff untergeht, ist all das irrelevant.“

Der Forscher weiter:

„Wenn die Welt heute den Klimawandel nicht in den Griff bekomme, wenn wir das Schiff nicht über Wasser halten können, brauchen wir über Einkommensverteilung, Rassismus und guten Geschmack nicht mehr nachzudenken“.

Lange habe er gedacht, es sei unpolitisch, den Einzelnen in die Pflicht zu nehmen, ergänzte PIK-Gründungsdirektor Schellnhuber:

„Aber jeder sollte verdammt noch mal tatsächlich etwas beitragen. Wir haben uns alle viel zu lange aus der Verantwortung gestohlen.“

Natürlich müsse Deutschland alle Kohlekraftwerke schließen und auf 100 Prozent erneuerbare Energien gehen,

„aber Sie und ich können von heute auf morgen beschließen, kein Fleisch mehr zu essen und keine Langstreckenflüge mehr zu machen“.

….Kurzstreckenflüge können aber weiterhin gemacht werden??? – Und schon sind wir am Eingemachten! – Ja, es geht um unseren kompletten Lebensstil!!! – Aber uneingeschränkt ist zu begrüßen, dass Schellnhuber sich so äußert. Ob dieser prominente, weltweit bedeutende Wissenschaftler weiterhin beachtet wird, wenn er solche Aussagen macht??? – Wir werden sehen.

Solidarisch leben und wirtschaften – sozial-ökologischen Umbau vorantreiben!

Antrag der Ökologischen Plattform an den 6. Parteitag

Der Parteitag erklärt:

Die bürgerliche Gesellschaft mit ihrer kapitalistischen Wirtschaftsweise bringt große Teile der Weltbevölkerung um ein menschenwürdiges Leben. Sie bedroht das Menschsein und die Menschheit. Fast 50 Jahre nach dem ersten Bericht des Club of Rome, der eine Übernutzung der globalen Ressourcen feststellte, werden forciert natürliche Lebensbedingungen zerstört. Seit 1995 stattfindende UN-Klimakonferenzen haben den Anstieg der globalen Erwärmung nicht gestoppt. Darunter leiden die global Ärmsten bereits seit Jahrzehnten. Die Hauptverursacher ihrer Nöte und Bedrohungen sind die Herrschenden in den Zentren der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Mit ihrem Profitstreben, mit der uns aufgezwungenen Lebensweise, mit ihrer „Sicherheits“-, Militarisierungs- und Rüstungspolitik werden die Ressourcen zur Lösung der globalen Probleme vernichtet. Die Herrschenden führen Kriege, treiben Menschen zur Flucht, schaffen neue Kriegsgefahren einschließlich eines globalen Atomkrieges.

DIE LINKE. als sozialistische Partei, die das Soziale in das Zentrum ihrer Politik gestellt hat und an der Vision einer Gesellschaft der Freien und Gleichen festhält, hat der herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik den Kampf angesagt. Sie sieht sich gefordert, ihr Ringen um solidarisches Wirtschaften und somit um einen gerechten sozial-ökologischen Umbau zu intensivieren. DIE LINKE. will alle Formen und Instrumente demokratischer Politik nutzen, um die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und der Europäischen Union wirksamer mitzubestimmen. Insbesondere will sie das gesellschaftliche Wirtschaftsleben demokratisieren.

Solche gesellschaftlichen Veränderungen beginnen erst, wenn wir uns selbst verändern.

Der Parteitag beschließt:

  1. Die Mitglieder der Partei, ihre Gliederungen, Zusammenschlüsse bzw. Arbeitsgemeinschaften und Vorstände werden aufgerufen, lokale und regionale Foren zum sozial-ökologischen Umbau und so zum solidarischen Wirtschaften zu organisieren und durchzuführen. Dort sollen Erfahrungen, Vorstellungen, Projekte und Vorschläge, die auf solidarisches und daher insbesondere ökologisch verantwortungsvolles Handeln zielen, diskutiert werden. Ein mögliches Motto ist: „Solidarisch wirtschaften damit es für alle gut reicht – bei uns, in der EU und Europa, weltweit“.
  2. Der Parteivorstand bildet eine Arbeitsgruppe, die die Ergebnisse der Foren analysiert und Vorschläge für weitergehende bzw. vernetzende Aktivitäten bzw. Vorhaben unterbreitet. Die Arbeitsgruppe bereitet ein bundesweites Forum der Partei zum solidarischen Wirtschaften und so zum sozial-ökologischen Umbau vor. Es sollte im Kontext mit einer zentralen Veranstaltung bzw. Konferenz, die praktische Problemlösungen und Konzepte der Partei möglichst öffentlichkeitswirksam präsentiert und debattiert, veranstaltet werden. Das Forum und die Veranstaltung sollen eine Tagung des Parteitages im Jahre 2019 vorbereiten bzw. mit dieser verbunden werden.
  3. Die Arbeitsgruppe organisiert die Herausgabe eines Materials für die innerparteiliche politische Bildung, das „solidarisches Wirtschaften“ wie sozial-ökologischen Umbau erklärt. Es soll Zusammenhänge zwischen der Ökonomie, dem Sozialen, der Ökologie und der Demokratie aufzeigen, Diskussionen anregen und auf konkretes politisches Handeln zielen.
    Die Öffentlichkeitsarbeit wird die ökologische Dimension in unserer Gesamtpolitik und die entsprechenden wirtschaftspolitischen Konzepte der Partei stärker kommunizieren.
  4. Auf den unter 1. und 2. genannten Foren bzw. auf der zentralen Veranstaltung/Konferenz und der Tagung des Parteitages interessiert insbesondere, wie die verschiedenen Formen demokratischer Politik – von der Straßenblockade aus Protest (z. B. gegen Castor- und Rüstungstransporte), über partizipative Prozesse, Aktivitäten im politischen Alltag, parlamentarische Arbeit und Teilhabe an Verwaltungs- und Regierungshandeln – koordiniert genutzt werden können, um Politikwirksamkeit zu erhöhen. Probleme und Widersprüche sollen offen und solidarisch debattiert werden.
  5. Die fachpolitischen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger der LINKEn in den Parlamenten, Verwaltungen bzw. Regierungen werden gebeten, sich in die Vorbereitung und Durchführung der Foren aktiv einzubringen. Die in der Bundesstiftung und im Stiftungsverbund der RLS tätigen Genossinnen und Genossen der Partei werden aufgerufen, sich an der innerparteilichen politischen Bildung und insbesondere an der Erarbeitung des unter Punkt 3. genannten Bildungsmaterials engagiert zu beteiligen.

Begründung:

Nur ein radikales Umsteuern der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung wird ein menschenwürdiges Leben für jede und jeden und damit soziale und ökologische Gerechtigkeit weltweit ermöglichen. Die Herausforderung ist eindeutig: JETZT endlich müssen Elend, Armut und soziale Ausgrenzung wirksamer bekämpft, der weiteren Zerstörung des Klimas, der biologischen Vielfalt, der natürlichen Lebensbedingungen Einhalt geboten werden. Das heißt zunächst und vor allem: JETZT Schluss zu machen mit Austeritätspolitik und Ausplünderung, mit einer „Sicherheitspolitik“, die Krieg toleriert und Unsicherheit mehrt, mit profitfixierter Wirtschaftspolitik. JETZT muss ihr Ersatz beginnen – mit sozial gerechter Umverteilung von Einkommen, Vermögen und Ressourcen, mit der systematischen Verbesserung der Bedingungen für „gute Arbeit“, mit Hilfen für die Opfer von Gewalt und mit Entspannungspolitik, mit dem Umbau der Produktions- und Konsumtionsstrukturen, mit der Umstellung der individuellen und kollektiven Lebensstile. Dieser sozial-ökologische Umbau der Gesellschaft beginnt und geht einher mit dem Ringen um die Demokratisierung politischer Entscheidungsprozesse durch jene, die solidarisch leben und wirtschaften wollen.

DIE LINKE. hat auf den verschiedenen politischen Ebenen in vielfältigen politischen Aktivitäten – von Straßenblockaden, Demonstrationen, Petitionen über Projekte der Lokal-, Kommunal- und Landes-, Bundes-, EU- und Europapolitik bis hin zu parlamentarischen Initiativen und zur Teilhabe an Verwaltungen und Regierungen – bewiesen: soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Frieden, Gleichstellung der Geschlechter und Ethnien, gleichgestellte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderungen am gesellschaftlichen Leben, solidarisches Miteinander und damit insbesondere Internationalismus und Ökologie sind ihr wichtig. Es gibt eine große Anzahl von Konzepten, Programmen und anderen Ausarbeitungen, darunter auch und insbesondere „Plan B“, die belegen, dass in der Partei an Zukunftsvisionen und konkreten Wegen des sozial-ökologischen Umbaus gearbeitet wird. Aber seltener werden eigene konkrete Referenzprojekte für Problemlösungen in der Kommune und im Land initiiert und vertreten. Erlangte Erfolge werden nicht ausreichend durch die Landes- und Bundespartei kommuniziert. Die Parteigliederungen werden in ihrer Breite nicht konsequent als Orte solidarischen, ökologischen und alternativ-kulturellen Lebens wahrgenommen. Es besteht zwar ein großes öffentliches Interesse an sozialökologischen Themen und wirtschaftspolitischen Konzepten, jedoch werden diese nur wenig mit linker bzw. sozialistischer Politik in Verbindung gebracht.

Unser Antrag zielt auf die Aktivierung aller Gliederungen der LINKEn, sich für den sozial-ökologischen Umbau in Wort und Tat zu engagieren. Mit unserer Initiative knüpfen wir an die vielfältigen emanzipativen Aktivitäten anderer demokratischer Akteure an.

Bundestreffen der Ökologischen Plattform

Ein kurzer Abriß

von Petra Beck

Ich möchte meinen Erinnerungen vorausschicken, dass sie natürlich sehr subjektiv sind und sicherlich nicht vollständig. Gleich in meinem ersten Jahr 1998 bei der ÖPF nahm ich an einem Bundestreffen in Hausen bei Arnstadt/Thüringen teil. Damals wurde die ÖPF noch von Peter Schott als Mitarbeiter beim Parteivorstand für Umweltfragen betreut. Wir waren zu Gast bei den Aktivisten gegen die Thüringenautobahn und haben uns vor Ort von der zerstörenden Wirkung solcher Trassen überzeugen können.

Nach dem Ausscheiden von Peter mussten wir (der Sprecherrat) die ehrenamtliche Organisation übernehmen.

Mir hat der Ansatz , Bundestreffen immer mit Begegnungen vor Ort zu verbinden, sehr gefallen. Mehrere Bundestreffen haben wir zunächst in Brandenburg durchgeführt.

Familie Borchardt engagierte sich in Lychen bei Ökostadt e.V. und hat im Juni 2002 unser Treffen im Ferien- und Vereinshaus, das nach ökologischen und bauphysikalischen Grundsätzen saniert wurde, betreut. Im September 2000 waren wir in Joachimsthal in der Schorfheide. Leider haben wir nicht die Biber, sondern nur ihre Burg gesehen, aber die schöne Landschaft beeindruckte trotzdem. In Sachsen waren wir ebenfalls zweimal zu Gast.

Februar 2000 direkt in Leipzig, wo uns die Aktivisten von ADELE betreuten und 2004 waren wir bei den Greifensteinen im schönen Erzgebirge, wo von Symphatisanten eine JHB betreut wird .

Bei unserem Berliner Bundestreffen 2005 tagten wir in der Naturschutzstation Malchow, denn auch die Berliner Umgebung kann mit seinen Landschaften durchaus mithalten.

Beeindruckend war 2006 die Wanderung im Nationalpark Harz unterhalb des Brockens, den die Genossen dort während unseres Treffens in Wernigerode Sachsen-Anhalt organisierten.

Auch 2007 haben wir in Uder in Thüringen eine Wanderung durch den Nationalpark im Eichsfeld durchgeführt. Die Aktivisten gegen den Bau einer gigantischen Moseltalbrücke betreuten uns unter anderem mit einer Weinprobe direkt in den Weinbergen 2008 bei unsrem Treffen in Trier in Rheinland-Pfalz.

2009 wurde in Bayern eine Umwelt-AG gegründet und wir trafen die Genossen am Ochsenkopf im Fichtelgebirge während unseres Bundestreffen.

2010 waren wir in NRW kurz nach der Landtagswahl in Rödinghausen zu Gast.

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